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Ökonomisierung
der Sozialarbeit
Eine subjektive
Betrachtung
von
Bernhard Kathan
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Die Regeln des Marktes – genau genommen
sollte man von Kapitalismus statt von Markt sprechen – auf den Sozialbereich
zu übertragen, erscheint mir schon allein deshalb ziemlich grotesk,
sollen doch nach den Regeln eines Wirtschaftssystems vor allem jene bereut
werden, die eben dieses System zu Verlierern gemacht hat. Das heißt
ja, den Teufel mit dem Beelzebub austreiben. Es ist doch eine recht seltsame
Vorstellung, dass der Kapitalismus seine heilende Wirkung gerade gegenüber
jenen entfalten soll, die er entwurzelt, deren Erfahrungen er entwertet
und deren soziale Ressourcen er in bedenkenloser Weise zerstört.
Manche denken an einen gezähmten Kapitalismus, an einen Markt, der
sich selbst zum Wohl der Gesellschaft steuere. Konzernvertreter, die Betriebe
in andere Länder verlagern, obwohl sie Gewinn abwerfen, sprechen
es ganz offen aus. Betriebe seien keine Sozialvereine, ihre Funktion bestünde
einzig darin, Gewinn zu machen und Aktionäre zufrieden zu stellen.
Markt und Ökonomisierung sind letztlich
danach zumessen, ob die dem Modell zugrundeliegenden Widersprüche
und Konflikte benannt sind. Von den Befürwortern einer Ökonomisierung
des Sozialbereichs wird man dazu freilich wenig erfahren. Wer von ihnen
weist schon darauf hin, dass so die Politik zunehmend au ihrer Verantwortung
entlassen wird, wer spricht es denn aus, dass diese Entwicklung entscheidend
auf dem Interesse beruht, den Sozialbereich wie viele andere Bereiche
dem Kapitalmarkt zugänglich zu machen. Der Sozialbereich ist dabei
im Gegensatz zum Versicherungs- und Gesundheitsbereich freilich von untergeordneter
Bedeutung.
Will man die Geschichte der Sozialarbeit in den letzten Jahrzehnten
begreifen, dann muss man sich an einige Daten des gesellschaftlichen Umbruchs
erinnern. Eines dieser Daten finde sich im Niedergang der Verstaatlichten
in Österreich. Hier fand die Vorstellung, die Privatwirtschaft arbeite
effizienter als die öffentliche Hand, erstmals Eingang in Breitendiskurse.
Mochten verlustreiche Spekulationen zur Krise der Verstaatlichten beigetragen
haben, so hatte diese ganz andere Ursachen. Nicht nur die VOEST, auch
andere Stahlkonzerne befanden sich in der Krise. Erträge der Verstaatlichten
flossen lange Zeit ins Budget (die Post ist dafür ein gutes Beispiel)
und damit auch in das Bildungs-, Gesundheits- und Sozialbudget.
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