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Von Franz Schandl |
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[…]
Kosten und Leisten
Es ist allerdings zu fürchten, dass am Schluss ein Armengeld rauskommt,
eine Abspeisung in monetärer Form. Dass das Grundeinkommen erstens
nicht nur schmal ausfällt, sondern zweitens eine bedarfsorientierte
Variante mit Pflichten sein wird, und drittens mithilfe der allseits propagierten
Entbürokratisierung andere Leistungen gekürzt oder gestrichen
werden. Zu hoch wird es schon deshalb nicht sein, damit die Lohnarbeiter
und vor allem die Lohnarbeiterinnen sich nicht aus den Billigbranchen verabschieden.
Es wird also kaum zweckdienlich sein für jene, die aus der Beschäftigung
raus wollen, aber gerade mal ausreichen, mehr schlecht als recht über
die Runden zu kommen.
Spielen wir es in einem Fall durch: Was sollte eine Textilarbeiterin
in ihrem Beruf halten, wenn die Differenz zum Grundeinkommen gering ist?
Und
jetzt sage niemand, dann soll man sie halt ordentlich bezahlen. Die »ordentliche
Bezahlung« würde nichts anderes bewirken, als ihren Arbeitsplatz
in Windeseile wegzurationalisieren. Die Wertschöpfungspotenz dieser
Lohnarbeit ist nicht grösser, als sie ist. Wenn Brötchen am Markt
30 Cent kosten, dann verdient ja derjenige, der sie um 90 Cent verkaufen
möchte, nicht nur nicht das Dreifache, sondern im Normalfall nichts.
Lukrativ könnte das Grundeinkommen aber nur für Niedriglohnbezieher
sein.
Womit nicht gesagt werden soll, dass das Grundeinkommen nicht finanzierbar
ist, das ist wahrhaftig nicht unser Kriterium, wohl aber gehen wir davon
aus, dass der Staat und alle seine realpolitischen Vertreter diesen Aspekt
absolut setzen. Auch die realistischen Vertreter des Grundeinkommens rechnen,
was sich ausgeht und was nicht, wo der Staat sparen kann, welche Sozialleistungen
ersetzt werden könnten etc. Man ist einmal mehr in der Kostenfalle
gelandet. »Was können wir uns leisten?«, übersetzt
das bürgerliche Subjekt sofort in »Wie viel Geld brauchen wir?«, »Woher
nehmen wir die finanziellen Mittel?« Folgen der Kommodifzierung sollen
durch weitere Kommodifzierung gelöst werden.
[…]
Ohne Geld!
Zurück zum Ausgangspunkt. Konkrete Bedürfnisse artikulieren sich
stets in vorgefundenen Konventionen. Man sollte sie daher nicht denunzieren,
andererseits aber auch nicht als vorgegeben akzeptieren. Sozialkritik und
transvolutionäre Praxis auf der Höhe der Zeit müssten diese
Interessen anerkennen, aber permanent auf ihre subjektiven Beschränktheiten
als Folge objektiver Beschränkungen verweisen. Es gilt sich solidarisch,
aber nicht sich opportunistisch zu verhalten.
Jeder soziale Kampf ist einer ums Geld. Damit ist seine Formbestimmung
als Grundproblem bereits ausgesprochen. Eins kapriziert sich deswegen so
auf die monetäre Form, weil die ganze Gesellschaft wie betäubt
auf das Geld starrt. Dass man ein Einkommen haben muss, ist nicht länger
als Apriori hinzunehmen. Radikal ist nicht die Forderung nach einem Grundeinkommen,
sondern nach einem Auskommen für alle, was meint, dass Produkte und
Leistungen für alle direkt und frei zugänglich sind.
Geld abschaffen?
Aber selbstverständlich! Nix kaufen, nix tauschen, nix handeln? Genau
das!
Man könnte die Versorgung der Menschen auch ganz anders angehen, indem
man etwa die kostenlose Nutzung vorhandener Infrastruktur in den Mittelpunkt
stellt: Bäder, Bibliotheken, Spitäler, U-Bahnen und Eisenbahnen,
oder auch Universitäten und Fortbildungskurse könnten gratis
sein. Möglichst alle öffentlichen Einrichtungen sollten freigegeben
werden, auch Theater, Konzerte, Galerien. Und Grundnahrungsmittel. Warum
nicht? Was das Leben nährt, ist vornehmlich materieller, geistiger
und emotioneller Natur. Das Monetäre erzielt das höchstens auf
einem Umweg.
Es geht um die Sozialisierung von Räumen und Zeiten durch die Menschen,
nicht um das Weitertreiben der In-Preis-Setzung aller Kommunikationsfelder.
Um Dekommodifizierung des Alltags. Das bedeutet auch, dass gerade der unselige
Wertbegriff in allen seinen Varianten als negative Kategorie zu denken
ist, nicht als positiver Bezugspunkt; als etwas, das uns in Beschlag nimmt,
nicht was wir in Beschlag zu nehmen haben. Das ist allerdings schwierig,
vor allem deshalb, weil der Wert und die Werte in der Alltagssprache eine
heilige und somit heillose Funktion erfüllen. Schon ihre sprachliche
Verwendung vollzieht sich als Bekenntnis.
Wir sollten uns darin üben,
unsere Wünsche und Bedürfnisse nicht automatisch in Grössen
des Geldes und seines Fetischismus zu denken, sondern als unmittelbare
Anliegen anzusehen. Geld hat keine befreiende Wirkung, sondern eine einschnürende.
Auch wenn man genug hat. Es ist immer bedroht: vom Warenhunger, von Inflation
und Spekulation, von anderen ordinären Zu- und Überfällen.
Keine Hortung macht es sicher. Geld macht nicht glücklich, nur Glück
macht glücklich.
In Kopf und Bauch müsste rein, dass der Zugang zu den Gütern über
ein Einkommen eine wahnwitzige und keineswegs unhintergehbare Form der
Distribution darstellt.
Wenn genug da ist für alle, warum muss es über
Geld verhandelt werden? Wozu muss das stoffliche und zeitliche Rechnungswesen
mit einem monetären belastet werden? Was ist so unvorstellbar an einer
direkten Kommunikation von Gütern? Warum müssen sie als Waren
auf den Markt gebracht werden? Die banale Frage zum Schluss kann nur lauten:
Was gilt es zu ermöglichen und zu garantieren? Das Leben oder das
Kaufen? Und niemand sage, das sei kein Unterschied. Es ist letztlich einer
ums Ganze! |
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