In den vergangenen Jahren ist eine aufgeregte Diskussion rund um den
Begriff »Prekarität« entstanden.
Während er für die einen ein Synonym für das Verständnis
des sozialen Wandels darstellt, ist er für die anderen nichts weiter
als eine unpräzise Beschreibung der »fundamentalen Verunsicherung
aller Lebens- und Arbeitsbereiche«.
Damit stellt der Begriff keine sozialwissenschaftliche Selbstverständlichkeit
dar, sondern ist zunehmend einer inhaltlichen Erosion ausgesetzt und zu
einem politischen und wissenschaftlichen Modebegriff geworden.
Aber gibt es überhaupt eine eindeutige Begrifflichkeit?
Wo verlaufen die Grenzen zwischen Schärfe und Unschärfe?
Wie hat sich der Begriff historisch entwickelt?
Welchen Beitrag liefern die Sozialwissenschaften zur Theorieproduktion
und zur Erfassung der Prozesse gesellschaftlicher Dynamik?
Der folgende Beitrag wird diese Fragen nicht erschöpfend beantworten,
dient aber zur Standortbestimmung und der Präzisierung.
Ausgehend von der Entstehung des Phänomens und dessen Thematisierung
werden die inhaltlichen Fragestellungen anhand der zwei aktuellsten thematischen
Zentren aufgegriffen:
Prekarität durch die Veränderungen in der Arbeitswelt und Prekarität
in der Armutsforschung und Sozialstrukturanalyse. … |