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jahrbuch 05

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Leseprobe

 

In der Bubenburg
Kinder- und Jugendfürsorge Anfang der 1970er Jahre
in der Bubenburg in Fügen

Aus einem Gespräch mit Bernhard Kathan

   
             
   

DOWAS Jahresbericht Cover

 

Pädagogische Ziele gab es nicht. Es gab kein schriftlich fixiertes Konzept, das irgendwelche Ziele festgelegt hätte. Erstaunlicherweise spielte die religiöse Erziehung keine besondere Rolle. Die Kinder wurden verwahrt, genaugenommen weggesperrt. Die meisten Kinder und Jugendlichen stammten aus Unterschichtsverhältnissen und waren es offensichtlich nicht wert, dass man sich besonders um sie bemüht und auf ein Leben in der Welt vorbereitet hätte. Das Freizeitprogramm bestand im Wesentlichen aus Fußball und diente der Aggressionsabfuhr.

Ich erinnere mich noch gut an eine Erziehertagung, die damals in Fügen stattfand. In den Wochen zuvor wurde das Heim aufgeputzt. Im Rahmen dieser Verschönerungsaktion hatte ich im Stiegenhaus lebensgroße Vorlagen von Märchenfiguren mit einigen Buben auf Styroporplatten zu übertragen. Was zu sehen sein sollte, das gab der Direktor vor. Wie wenig das mit den Kindern zu tun hatte, macht etwa das Märchen Hänsel und Gretel deutlich. Auch in diesem Märchen werden Kinder verstoßen, aus dem Weg geräumt. Aber zwischen dem einen und dem anderen durfte und konnte keine Verbindung hergestellt werden. Anlässlich dieser Tagung wurden in den trostlosen Innenhof einige Spielgeräte gestellt. Als die Tagung stattfand, waren einige der Holzgerüste noch nicht fertig. Nach der Tagung dachte niemand mehr daran, diese fertig zu stellen. Es ging also weniger um die Kinder als um die optische Erscheinung.

Eine der wenigen Möglichkeiten, einzelne Buben in ihren Begabungen zu fördern, bestand für mich darin, dass ich sie ihren Alltag im Heim, ihre Erfahrungen, ihre Wünsche und so fort zeichnen ließ. Im Gruppenraum war das nicht möglich. Ich musste ihnen also stundenweise mein Zimmer überlassen. Neben der Toilette war dies der einzige Raum, in dem sie die Erfahrung machen konnten, allein zu sein. Damals sind viele spannende Zeichnungen entstanden, die sehr gut Auskunft gaben, über das Innenleben der Kinder wie das des Heimes. Es war unmöglich, auch nur ansatzweise über die so gesammelten Erfahrungen zu sprechen.

   
   

 

 

 

   
   

 

 

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