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Pädagogische Ziele gab es nicht. Es gab kein schriftlich fixiertes
Konzept, das irgendwelche Ziele festgelegt hätte. Erstaunlicherweise
spielte die religiöse Erziehung keine besondere Rolle. Die Kinder
wurden verwahrt, genaugenommen weggesperrt. Die meisten Kinder und Jugendlichen
stammten aus Unterschichtsverhältnissen und waren es offensichtlich
nicht wert, dass man sich besonders um sie bemüht und auf ein Leben
in der Welt vorbereitet hätte. Das Freizeitprogramm bestand im Wesentlichen
aus Fußball und diente der Aggressionsabfuhr.
Ich erinnere mich noch gut an eine Erziehertagung, die damals in Fügen
stattfand. In den Wochen zuvor wurde das Heim aufgeputzt. Im Rahmen dieser
Verschönerungsaktion hatte ich im Stiegenhaus lebensgroße Vorlagen
von Märchenfiguren mit einigen Buben auf Styroporplatten zu übertragen.
Was zu sehen sein sollte, das gab der Direktor vor. Wie wenig das mit
den Kindern zu tun hatte, macht etwa das Märchen Hänsel und
Gretel deutlich. Auch in diesem Märchen werden Kinder verstoßen,
aus dem Weg geräumt. Aber zwischen dem einen und dem anderen durfte
und konnte keine Verbindung hergestellt werden. Anlässlich dieser
Tagung wurden in den trostlosen Innenhof einige Spielgeräte gestellt.
Als die Tagung stattfand, waren einige der Holzgerüste noch nicht
fertig. Nach der Tagung dachte niemand mehr daran, diese fertig zu stellen.
Es ging also weniger um die Kinder als um die optische Erscheinung.
Eine der wenigen Möglichkeiten, einzelne Buben in ihren Begabungen
zu fördern, bestand für mich darin, dass ich sie ihren Alltag
im Heim, ihre Erfahrungen, ihre Wünsche und so fort zeichnen ließ.
Im Gruppenraum war das nicht möglich. Ich musste ihnen also stundenweise
mein Zimmer überlassen. Neben der Toilette war dies der einzige Raum,
in dem sie die Erfahrung machen konnten, allein zu sein. Damals sind viele
spannende Zeichnungen entstanden, die sehr gut Auskunft gaben, über
das Innenleben der Kinder wie das des Heimes. Es war unmöglich, auch
nur ansatzweise über die so gesammelten Erfahrungen zu sprechen.
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